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Ob brandneue oder schon ältere Arbeiten, hier präsentiere ich meine meist kurzen Rezensionen zu sämtlichen Filmen und Serien, die ich im Laufe des Jahres 2026 gesehen habe.
Zur Jahreshälfte meine bisherigen Favoriten:
Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke
Code 101
Last Breath
No Other Choice
Pavane
Rental Family
Secret Agent
The Night Manager Staffel 2
The Pitt Staffel 2
Together
Schon seit Längeren hat mich kein Film derart emotional mitgenommen wie Ach, diese
Lücke, diese entsetzliche Lücke, in der der deutsche Regisseur Simon Verhoeven seiner Mutter Senta Berger eine fulminante Altersrolle gönnt. Auf dem autobiografischen Roman des
Burgschauspielers Joachim Meyerhoff basierend, setzt die Tragikomödie den durch den Unfalltod seines geliebten Bruders traumatisierten jungen Schauspielstudenten Joachim im München der Achtziger
ins Zentrum einer gefühlvoll-melancholischen Handlung, die it (Selbst)Ironie und Mut zum Innehalten über die Geworfenheit ins Leben, die Zumutung des Altwerdens und die Unvermeidlichkeit des
Sterbens reflektiert. Joachim wohnt in der Villa seiner exzentrischen Großeltern, die den Tag schon mit Gurgeln mit Schnaps beginnen und sich zuweilen auf den Wohnzimmerboden legen, um Musik so
richtig in sich aufnehmen zu können. Hier kommen Senta Berger und Großvater Michael Wittenborn ins Spiel. Wenn ihr beim Rezitieren von Goethes Gretchen auf einmal die Worte fehlen und sie nicht
mehr zu sprechen weiß, beweist die Schauspielerin wieder einmal ihre große Klasse. Wittenborn ist ihr ein gleichwertiger Partner und auch die Rolle von Joachim ist mit Bruno Alexander exzellent
besetzt. Anfangs fast zerrissen zwischen seiner Trauer und massiver Unsicherheit über sich selbst und seinen Platz in der Welt, führt ihn sein Coming-of-Age zu so etwas wie Lust auf sein eigenes
Leben. Liebenswert, rührend, berührend und getragen von feinem Humor - das schreibe ich wahrlich nicht oft über einen deutschen Film.
Der "Kriminalfall" Michael Jackson ging im Jahre 2005 um die Welt, der Künstler wurde damals nach einem mehrwöchigen Prozess von den Geschworenen vom Verdacht des sexuellen Missbrauchs eines
Minderjährgen freigesprochen. Die Linien der Staatsanwaltschaft als auch jene der Verteidigung werden in der dreiteiligen Dokumentation Michael
Jackson: The Verdict mit fast chirurgischer Präzision freigelegt, was aber definitiv nicht dazu führt, dass wir danach schlauer sind als vor der Sichtung. In Form von Szenen und
Interviews mit den wichtigsten Beteiligten aus dem Archiv und heutigen führt uns die Doku durch die Tage der Verhandlung und stellt es in die Relevanz des Davor und Danach. Der Sänger starb vier
Jahre danach, bis heute stehen Aussagen gegen Aussagen und gibt es mehr Unschlüssigkeiten als Antworten. Dass das rezente Biopic Michael als reines Fanservice diese gesamte Thematik ausspart, war zu erwarten, die Netflix-Doku bietet sich aber als spannende Ergänzung an.
Mit deutschen Zusatztiteln ist es ja so eine Sache: Dümmer geht's oft nicht. Trifft auch auf Maggy Gyllenhaals zweite
Spielfilmregiearbeit The Bride! - Es lebe die Braut zu. Dafür kann sie nichts, eh klar, wenngleich ihr Film auch sonst nicht rundum zu
überzeugen weiß. Beginnen wir mit einer positiven Anmerkung: Hier finden wir den vielleicht bestinszenierten Treppensturz der Filmgeschichte, zumindest kenne ich keinen, der aufregender ist und
mehr unter die Haut gehen würde. Wer hier stürzt, ist Ida, und sie wird schließlich als Braut von Frankensteins Kreatur wiederbelebt. Mit schwarzen Flecken im Gesicht, wird sie diesem Frank die
lang ersehnte Gefährtin, es kommt zu einem Doppelmord und zur Jagd von Detektiven auf die beiden. Eingebettet ist diese Haupthandlung in Kommentare der Frankenstein-Autorin Mary Shelley, Aspekte zur Feminismusdebatte und eine allzu lang gezogene Nebenhandlung um die Mafia und bestechliche Polizisten.
Das Ergebnis ist ein allzu ausuferndes Me-too-Märchen, dem eine straffere Inszenierung und die Konzentration auf ein Hauptthema sehr gut getan hätten. Jessie Buckley in der Titelrolle beweist
nach Hamnet aber wieder einmal ihre Klasse.
Harry Styles goes Stepford Wives: Als Thriller wird Olivia Wildes zweite Regiearbeit Don't Worry, Darling bezeichnet, von echtem Thrill kann man darin aber nichts entdecken. Die Ähnlichkeiten des Films zm Klassiker Die Frauen von Stepford aus 1975 (Remake 2004), ersonnen vom Genrespezialisten Ira Levin (Rosemarys
Baby) sind jedoch frappiernd: Brave Ehefrauen in traditioneller Rolle in einer Vorzeigewohnsiedlung, Ehemänner, die sich konspirativ in einem Club zusammenfinden, ein Leben an der
schönen Oberfläche, aber mit schlimmem Hintergrund. Sehr stylish, das Ganze, aber auch viel zu lang und langweilig und ausgestattet mit einem völlig unbefriedigenden Ende.
Beim ersten Versuch, das vielerorts ausgezeichnete norwegische Familien- und Künstlerdrama Sentimental Value anzusehen, bin ich
gescheitert, allzu sehr ging mir gleich von Anfang an die Figur der Schauspielerin Nora auf die Nerven; den Hype um die Darstellerin Renate Reinsve kann ich bis heute nicht nachvollziehen. Beim
zweiten Mal hat's dann zwar geklappt, richtig warm wurde ich mit dem Streifen aber nicht. Noras Vater (Stellan Skarsgard) ist ein berühmter Regisseur, er möchte seinen letzten Film mit ihr in der
Hauptrolle inszenieren. Geht nicht, denn er war ein ewig Abwesender, als Nora und ihre jüngere Schwester Anna Kinder waren. Um dieses Thema und auch Fragen des Filmemachens kreisen dann gefühlt
endlose Dialoge ohne Esprit und auch - seien wir uns ehrlich - ohne Tiefgang. Neurotische Menschen sprechen auf neurotische Weise über neurotisch konnotierte Thematiken - das typische Publikum im
Arthousekino mag da das Gefühl haben, intellektuelles Kino gesichtet zu haben.
Als romantische japanische Boys-Love-Serie angekündigt, erweist sich die Soul Mate als in acht Folgen gedehnte unschlüssige Mischung
aus Bromace, Boxer- und Eishockeydrama sowie Selbstfindungsstudie mit einer Prise Queerness und einer anderen bezüglich einer heimtückischen Krankheit. Zwischen Berlin, Tokio und Seoul
angesiedelt, kann sich die Serie bis zum Schluss nicht entscheiden, was sie eigentlich will. Ryu (Hayato Isomura) und Johan (Taec-yeon Ok) und ihre laut Werbetext "außergewöhnliche
Liebesgeschichte" - aber eine solche existiert in dem Film gar nicht.
Wer einen Film sehen möchte, der das Kunststück vollbringt, keine einzige Einstellung und Szenenfolge hervorzubringen, die in unzähligen anderen Actionstreifen nicht schon zu Tode verwurstet
worden wäre, soll sich Tom Clancy's Jack Ryan: Ghost War zu Gemüte führen. Der im grausigen Titel genannte Agent wird reaktiviert, um
"eine tödliche Verschwörung aufzudecken". So beliebig wie dieser Werbetext, ist die ganze Sache. Amazon prime auf dem Tiefststand.
Ich dachte, ich schau nur ein paar Minuten rein und das war's dann auch schon. Matthias Schweighöfer in der Rolle des Boney M.-Erfinders Frank Farain, das kann nichts sein und ist tatsächlich
auch nichts. Doch wider Erwarten bin ich am "biografischen Filmdrama" Girl You Know It's True (2023) des deutsche Regissseurs Simon
Verhoeven bis zum Ende hängen geblieben. Der Film geht über eine reine kolportagenhafte "Gala"-Nacherzählung des Skandals um das Popduo Milli Vanilli hinaus, in erster Linie, weil es den beiden
Hauptdarstellern Tijan Njie und Elan Ben Ali als Rob Pilatus und Fabrice Morvan gelingt, uns hinter die Fassade der Hampelmänner, die selbst nie singen durften, schauen zu lassen. Vielleicht habe
ich ihren Aufstieg und tiefen Fall in den Achtzigern aber auch nur deshalb interessiert mitverfolgt, weil das eine auch für meine Entwicklung prägende Zeit war. Immer, wenn die drei Hauptfiguren
die vierte Wand durchbrechen und beginnen, mit uns Zuschauenden zu sprechen, sind das aber definitiv Momemte zum Fremdschämen.
Beim Horrrofilm Smile 2 handelt es sich um die Fortsetzung des erfolgreichen ersten Teils aus dem Jahr 2022. Regisseur Parker Finn
schält das Sequel aus dem Vorgänger heraus und entwickelt eine ganz neue, für sich eigenständige Gruselmär. Im Zentrum steht die fiktive Popsängerin Skye Riley, von Naomi Scott (die Jasmin in
Disneys Aladdin) herausragend verkörpert. Auch sie wird mit diesem bedrohlichen Grinsen konfrontiert, das von einem Dämon Besessene an
den Tag legen, bevor sie sozusagen in einen neuen Wirt überspringen. Finn geht durchaus mit Gusto für Splattermomente vor, gibt dem Horror durch die ganz persönliche Geschichte des durch frühere
Erlebnisse traumatisierten Stars und die Beziehung zu ihrer Managerin-Mutter aber auch eine interessante Erzählbasis. Die über zweistündige Laufzeit schwächelt im Mittelteil trotzdem durch einige
Längen, und sorry, der drastische Bodyhorror am Schluss geht für mich ins leicht Lächerliche.
Oft wird in Rezensionen nach dem Namen von Filmschaffenden ihr bedeutendstes Werk in Klammer genannt, beim südkoreanischen Ausnahmeregisseur Park Chan-wook ist das ein Problem: Denn bei so vielen
seiner Filme handelt es sich um Meisterwerke - Sympathy for Mr. Vengeance, Oldboy, Lady Vengeance, Die Taschendiebin, Die Frau im Nebel; und jetzt eben No Other Choice. Der Titel bezieht sich auf den
Familienvater Man-su (Lee Byung-hun aus Squid Game), am Anfang steht die Familienidylle samt Barbecue und Töchterl am Chello. Man-su
ist ein Netter, ein pflichtbewusst, liebevoll und leicht unbeholfenenr Jedermann, der aufgrund von Rationalisierungen seinen Posten in der Papierindustrie verliert. Es folgt die allmähliche
Wandlung des Protagonisten, der sich nach einer Reihe von Absagen bei der Jobsuche zu einer drastischen Maßnahme getrieben sieht, nämlich die Konkurrenten schlicht und einfach aus dem Weg zu
räumen. Ganz nach Partricia-Highsmith-Manier sind wir dabei auf seiner Seite. Wie in koreanischen Streifen nicht selten (man denke etwa an Parasite), verhandelt Park seine Kritik an sozialen Missständen und unliebsamen wirktschaftlichen Entwicklungen in der Form einer rabenschwarzen
Komödie, deren Ironie zuweilen in Richtung Sarkasmus weist. Der Film kommt höchst bösartig und clever daher, wobei seine Eleganz nicht nur auf den exquisiten Kameraeinstellungen und Übergängen
resultiert, sondern auch einem geradezu unglaublich pointierten Timing der Szenenfolgen und Abläufe, eigentlich des ganzen bis ins Absurde gesteigerten Schlamassels.
Die Prämisse des Films Twinless klingt nicht schlecht: Zwei junge Männer lernen sich in einer Selbsthilfegruppe zur Bewältigung der Trauer bei Verlust eines Zwillings kennen. Was der Hetero Roman (Dylan O'Brian aus der Maze Runner-Trilogie ist erwachsen geworden) nicht weiß ist, dass der schwule Dennis (Regisseur und Drehbuchautor James Sweeney) diesen Verlust nur vortäuscht, um mit ihm in Kontakt zu kommen, und dass er sogar etwas mit dem Tod des Bruders zu tun hat. Ich könnte mir diesen Film als melancholisch-leise Komödie vorstellen, ganz anders auch als Herzschmerzdrama oder sogar als Thriller, doch in dieser Hinsicht weiß der Film nicht, was er will. So plätschert er unentschieden dahin und langweilt bald nur noch.
Ich kann wirklich nicht genau sagen, weshalb die Neuverfilmung von Stephen Kings Salem's Lot rein gar nichts mit mir gemacht hat. Die Kameraarbeit rund um einen bösen Vampir und seinen
Antiquitätenhändlerhelfer in der neuenglischen Kleinstadt weiß atmosphärische Bilder zu erzeugen (einmalig die Entführung eines kleinen Buben im Wald), doch hatte ich keinen Moment das Gefühl, zu
einer der Figuren eine Art von Beziehung aufbauen zu können. Regisseur Gary Dauberman verfasste immerhin das Drehbuch zu Es Kapitel 2 und weiß gut bescheid, was es braucht, um einen netten
Seventies-Look zu erzeugen. Der Schriftsteller, der in seine Heimatstadt zurückkehrt, und der extrem durchsetzungskräftige Junge, der seinen besten Freund aus dem Einfluss des untoten Unholds zu
befreien versucht: passt auch alles. Vielleicht sind der ganze Vampirtopos und die damit verwobenen Einzelheiten, vom Kreuz über den spitzen Holzpflock bis zum Brutzeln im Sonnenlicht,
mittlerweile zu oft nacherzählt worden, um noch Grusel zu erzeugen; sodass das Fehlen neuer Ansätze einfach nur noch Langweile erzeugt.
Nach dreißig Folgen The Pitt sind wir natürlich schon abgebrüht, was den bis zum Gehtnichtmehr stressigen Alltag des Personals einer Notaufnahme betrifft. Dennoch geht der Film Die
Heldin unter die Haut und an die Nieren. Geschildert wird der Alltag der Pflegefachfrau Floria in der onkologischer Chirurgie, großartig gespielt von Leonie Benesch. Die Schweizer Regisseurin
Petra Volpe inszeniert ihre Geschichte in zum Teil langen Einstellungen als fiktionalen Dokumentarismus. Florias Weg zur Überforderung aufgrund von Personalmangel wird von Szene zu Szene
drängender, das Tempo ihrer (Über)Beanspruchung sieht sich ständig gesteigert, nur um in einigen stilleren Momenten heruntergefahren zu werden - wodurch Zeit und Raum für menschliche Nähe
entstehen, Augenblicke der Berührung und der Rührung.
Als überaus spannend erweist sich der australische Horrorthriller Bring Her Back (2025) der Zwillingsbrüder Danny und Michael Philippou, wobeisich wieder einmal die Bedeutung der
sorgfältigen Zeichnung der Charaktere in Hinblick aufs Mitfiebern zeigt. Der siebzehnjährige Andy (Billy Barratt) beantragt nach dem Tod des Vaters die Vormundschaft seiner sehbehinderten
Stiefschwester Piper (Sora Wong), die beiden sollen bis zu seiner Volljährigkeit einige Monate bei einer Pflegemutter namens Laura untergebracht werden. Diese wird von Sally Hawkins (Shape of
Water) dargestellt, mit fast übertriebener Freundlichkeit versucht sie, sich in die Herzen ihrer Pflegekinder zu schmeicheln. Ein seltsamer bleicher Junge namens Ollie (Jonah Wren Phillips)
treibt sich im und ums Haus herum, und es dauert einige Zeit, bis die Geschwister vom Tod durch Ertrinken von Lauras leiblicher Tochter Cathy erfahren. Die sie - und jetzt wird's für die Jugend
brenzlig - auf übersinnliche und gar grausige Weise ins Leben zurückzurufen versucht. Das Make-up ist toll gelungen, die Jugendlichen spielen überzeugend, die ganze Sache lupenrein zwischen
psychologischem Thrill und blutigem Horror gestaltet - und wir, mitten drin, wissen nicht, ob wir Laura bemitleiden oder sie fürchten sollen. Naja, auf Letzteres läuft der Film schon bald hinaus
und auf ein emotionales Finale zu. Wobei ich Ollies von Missbrauch gezeichnetes Gesicht immer noch vor Augen habe.
Bei der heurigen Oscarverleihung gab es zum ersten Mal die Kategorie "Bestes Casting". Kein Wunder, dass unter den nominierten Filmen auch Kleber Mendoca Filhos Politthriller The Secret
Agent aufschien. Mehr noch als der Gewinner Sinners hätte er die Auszeichnung in dieser Kategorie verdient, denn das Figurenpersonal ist ein riesiges und die Darsteller:innen auch kleiner
Rollen sind geradezu perfekt ausgewählt; es ist, als schauten wir tatsächlich in Gesichter aus dem Brasilien der Siebzigerjahre, die Authentizität der Bilder ist zuweilen erstaunlich. In dieser
Zeit ist der Streifen nämlich angesiedelt. Ein Mann ist auf der Flucht, Wagner Noura (Narcos) spielt ihn mit der ihm eigenen Zurückhaltung. Er kommt in Recife an, sein Ziel ist die
Ausreise zusammen mit seinem Sohn, der die Zeit seit der Ermordung seiner Mutter bei den Großeltern verbracht hat. Der 158 Minuten lange Film nimmt sich viel Muße, um seine Geschichte zu
etablieren. Die auführlichen Dialoge dürften mitunter auch gern ein wenig gekürzt sein, dennoch versteht es der Regisseur, uns Zuschauende in den Bann seiner beunruhigenden Geschichte um
Korruption und das Machtgefällt inmitten eines unterdrückerischen Regimes zu ziehen.
Das Serientitel Beef steht im Englischen nicht nur für Rindfleisch, sondern auch für heftigen Zwist und Konflikt. In einen solchen geraten auch in der zweiten, von der ersten völlig
unabhängigen Staffel zwei Paare aus unterschiedlichen sozialen Schichten. Carey Mulligan und Oscar Isaak geben ein langjähriges Ehepaar, perfekt im gegenseitigen Triggern und den darauffolgenden
ausgefeilten dramatischen Beschimpfungsorgien. Bei ihrer Arbeit der Leitung eines Luxus-Clubs soll der äußere Schein ein glänzender sein, sieht sich jedoch durch ein Video getrübt, das Caelee
Spaeny und Charles Melton als Angestellte genau dieses Clubs eines Abends von einem dieser Streits aufnehmen. Womit ein Erpressungsversuch quasi auf der Hand liegt und, gemäß der Grundidee der
Serie, von der ersten bis zur achten Folge in einen Kreislauf der Eskalationen gerät. Die Handlung spielt zwischen L. A. und Seoul, und wird nicht ganz so sarkastisch und auf den Punkt ausgeführt
wie in der ersten Staffel. Ein wenig Straffung in der Dialogführung hätte besonders der Mittelteil vertragen. Doch spätestens in den beiden letzten Folgen mit dem Schauplatz einer südkoreanischen
Schönheitsklinik gerät die Sache sosehr außer Kontrolle, dass ich beim Zusehen großen Spaß hatte.
Ich habe mich schon lang bei einem Film nicht mehr so gelangweilt wie bei Wuthering Heights. Dabei kommt Emerald Fennells sehr freie Adaption des Brontë-Klassikers aus 1847 gar nicht
verzopft daher. Anfangs wissen die bewusst kulissenhaft gehaltenen Szenerien der sturmgepeitschen englischen Höhen und auch der meist düsteren Innenräume zu faszinieren und die untermalende
Popmusik gibt dem Ganzen einen frischen (wenngleich spätestens seit Bridgerton nicht mehr ganz neuen) Anstrich. Catherine, die Gutsbesitzertochter, und das Findelkind Heathcliff werden in
diesen Szenen auch noch von Charlotte Mellington und dem mittlerweile durch seine brillante Leistung in der Miniserie Adolescence bekannten Owen Cooper dargestellt. Ihre aufkeimende Liebe
wirkt liebenswert naiv und authentisch - letzteres Attribut kann nicht mehr angewendet werden, sobald Margot Robbie die Bühne betritt. Als erwachsene Catherine ist sie fehlbesetzt und
unglaubwürdig, weil mindestens zehn Jahre zu alt in ihrem spätpubertären Hadern mit dem ungeliebten Ehemann und der toxischen Passivität ihres Schmachtens nach dem fernen Geliebten, und
Heathcliff Jacob Elordi darf auch nicht mehr als sorgenvollen Blicke um sich werfen und dann ab und zu einen Gewaltausbruch inszenieren. Die erotischen Szenen geraten dann total unerotisch, da
sind keinerlei Knistern und Begehren zwischen den beiden zu spüren, und bald ging mir das ganze Hin und Her nur noch auf die Nerven.
Ich bin ja jemand, der für einen coolen Splatter-Effekt in einem Horrofilm durchaus zugänglich ist, dieser darf dann auch gern echt blutig sein. Doch der voyeuristische Sadismus, den The Bone
Temple zur Schau stellt, war mir eindeutig zuwider. Der Mittelteil von Danny Boyles und Alex Garlands geplanter postapokalytischer 28 Years Later-Trilogie teilt sich in zwei
Handlungsstränge auf, die am Höhepunkt zusammengeführt werden. Da ist einerseits das Schicksal des Burschen Tom, der im ersten Teil seine Coming-of-Age-Geschichte durchlebte und an dessen Ende
einer Bande rund um den psychopathischen Sir Jimmy Crystal in die Fänge ging. Mit diesem Charakter weiß der Film nicht viel anzufangen, er darf hauptsächlich entsetzt in die Gegend starren. Und
zweitens steht Dr. Ian Kelson im Mittelpunkt des von ihm aufgebauten Tempels aus Knochenteilen, Ralph Fiennes stattet ihn mit nuancierten Tönen zwischen Genie und Wahnsinn aus. Auf seinem mit Jod
bestrichenen Körper tanzen des Öfteren unheilvoll Flammen, und wenn er eine Art Freundschaft mit einem gewaltigen Infizierten schließt, der wieder sprechen lernt und den Weg zurück zum Menschsein
findet, ergibt dies zuweilen beinahe poetische Momente. Doch dazwischen ist soviel Leerlauf, dass die Vorspultaste geradezu magische Anziehungskaft entwickelt. Ganz zum Schluss hat Cilian Murphy,
der Hauptcharakter aus 28 Days Later aus dem Jahr 2002 einen kurzen Auftritt - wohl ein Hinweis auf den kommenden dritten Teil, der uns vielleicht wieder mehr zu fesseln wissen wird.
Von Film zu Film schreitet die Zerstörung der beiden Kultfiguren des radioaktiven Echsenmonsters Godzilla und des Riesenaffen King Kong voran. Dieser Totengräberei können wir auch im Streifen
GodzillaxKong: The New Empire (was für ein dämlicher Titel!) aus dem Jahr 2024 beiwohnen. Godzilla ist manchmal gut, dann wieder böse, Kong lebt in einer Hohlwelt im Erdinneren und leidet
unter einem entzündeten Zahn, kriegt im Handlungsverlauf einen kleinen Affenbuben namens Suko als Sohnersatz und den Skar-King als garstigen Rivalen, irgendwelche Signale führen letztlich zu
einem Kamf nach dem anderen und irgendwann wird Mothra wiedergeboren. Beim Ansehen habe ich mich die ganze Zeit gefragt, weshalb bei einem solch immensen Budget die computeranimierten Welten so
schrecklich künstlich aussehen. Die ehemaligen Ikonen der Filmgeschichte werden wieder einmal verheizt, in einer total redundanten und in dieser Hinsicht faden Geschichte ohne Charme und Sinn für
Atmosphäre und bleibende Bilder, in der auch die wuchtigen Kampfszenen einander wie ein Ei dem anderen gleichen.
In der Kategorisierung von Filmen nach A-, B- oder C-Pictures gelangt Snow Sharks aus dem Jahr 2013 locker auf Platz Z. Die im Titel genannten Untiere, die man aber nie ordentlich zu
Gesicht bekommt (und wenn ganz kurz, dann grottenschlecht animiert), durchpflügen einen Skihang und stürzen sich auf ihre sich tölpelhaft gebärdenden Opfer. Ich glaube, ich habe noch nie einen
Film mit solch dämlichen Dialogen gesehen, dies geht sogar bei einem Zuschauer wie mir, der hin und wieder Schundiges durchaus zu goutieren weiß, so weit, dass in Hinsicht Guilty Pleasure
keinerlei Pleasure mehr bleibt. Jeder Vergleich mit dem Trash-Kultfilm Sharknado ist eine Beleidigung für diesen.
Eine Gruppe von Kriminellen entführt ein kleines Mädchen namens Abigail, das als Ballerina in einem leeren Theater trainiert. Ziel ist die Erpresssung von Lösegeld vom reichen Vater.
Leicht verdientes Geld, denken alle, wissen aber nicht, dass es sich bei Abigail um eine Vampirin handelt - die "nur spielen" möchte. Klingt in meinen Ohren als Plot ziemlich stark, ist aber
leider im Film von 2024 nicht wirklich gut umgesetzt. Mir würde für diese Geschichte eine Erzählung in Echtzeit vorschweben, eine solche ließe sich angesichts der beschränkten Zeitspanne und dem
praktisch einzigen Schauplatz eines alten Hauses auch wunderbar straff und wohl hochspannend umsetzen. Stattdessen wird die Sache zu sehr in die Länge gezogen, und wie so oft bei Horrorfilmen
fällt das Mitfiebern mit den Figuren schwer, wenn es sich bei ihnen um bloße Abziehbildchen handelt. Toll hingegen Abigails Make-up, das ist tatsächlich zum Fürchten.
Unsere liebsten Boxer sind zurück. Gun-woo (Woo Do-hwan), inzwischen Weltmeister, und sein Bro Woo-jin (Lee Sang-yi) wohnen in der Serie Bloodhounds 2 immer noch im Stockbett bei Mama,
sind gutherzig wie gewohnt und wollen nur in Frieden, mit viel Training und nicht weniger Nudelsuppe mit Kimchi leben, doch ein böser Veranstalter illegaler Boxwettkämpfe stört dieses Ersehnen
aufs Gehörigste. In einzelnen der sieben Folgen stehen die beiden fast ein wenig im Hintergrund, denn neue Figuren, unter ihnen eine Spezialeinheit der Polizei, werden eingeführt und übernehmen
das Ermittlungsruder. Doch in den überaus harten, blutigen und wirklich stark gefilmten Boxszenen sind sie dann wieder sehr präsent. Die Chemie zwischen ihnen funktioniert einwandfrei, und so
freuen wir uns schon auf die dritte Staffel, die, so lässt das Ende erahnen, wohl in Thailand spielen wird.
Brendan Fraser, der sanfte Riese, ist einmalig als Hauptdarsteller der Tragikomödie Rental Family der japanischen Regisseurin Hikari. Als erfolgloser Schauspieler Philipp verdingt er sich
in Tokio als "Mietfamilienmitglied". Der einsam-melancholische Mann kommt auf diese Weise in Kontakt mit anderen einsamen Menschen und verstrickt sich, beispielsweise in der Rolle des
vorgeblichen Vaters eines kleinen Mädchens oder eines ebensolchen Journalisten bei Interviews mit einem ehemals berühmten Schauspieler, immer mehr in Gefühle, denen er bald nicht mehr Herr zu
werden droht. Was als Performance von innerer Distanz beginnt, entwickelt sich zu etwas Ehrlichem und Unverfälschtem und gerät schließlich für Philipp selbst zur Therapie eigener Traumata.
Eigentlich bedarf es nur eines Blicks aus Brendan Frasers treuen Augen und wir schmelzen dahin in dieser liebenswert-berührenden Geschichte eines Mannes, der es lernt, sich auf andere Menschen
einzulassen und deshalb mit einem Lächeln in die Zukunft blicken kann.
Im ersten Momente dachte ich angsichts des Titels des Hai-Thrillers Thrash an Trash, also Schund, denn in diese Kategorie von B-Filmen, die man sich mitunter ab und zu ja gern zu Gemüte
führt, fällt er zweifellos. Doch nein, von verprügeln und vernichtend schlagen ist hier die Rede, auch klar, denn wenn mitsammen einer Sturmflut ein Schwarm fresswütiger Haie über eine
Kostenstadt hereinfallen, geht es auch genau darum. Es wird gebissen und verschlungen, dass es eine Freude ist, das Tempo des Films ist wahrschlich kein behäbiges. Leider handelt es sich bei den
Figuren um reine Abziehbilder, dem Film fehlen Charisma und eine Seele. Als dann noch unter Haiattacken ein Baby geboren wird und auf einem im Wasser schwimmenden Holztisch überlebt, ist der
Schwachsinn dann doch zu groß.
Beim Titel des südkoreanischen Spionagethrillers Humint handelt es sich um das Kofferwort aus Human und Intelligence und genau darum dreht sich die Geschichte. Es geht um Informatinnen,
die nach Preisgabe ihrer geheimdinstlich relevanten Geheimnisse in den Süden geschmuggelt werden sollen. Regisseur Ryoo Seung-wan spinnt die Handlung seines eigenen Drehbuches aber weiter, um
einen russischen Ring aus Menschenhandel und Drogenschmuggel, bei dessen Sprengung sich zwei Agenten, einer aus Südkorea (Zo Ing-sung) und ein zweiter aus dem Norden (Park Jeong-min) aus
persönlichen Gründen in der Kälte Wladiwostoks zur Zusammenarbeit gezwungen sehen. Solide entwickelt der Film seine Story und lässt sie in einen in seiner visuellen Umsetzung wahrlich
atememberaubend inszenierten halbstündigen Showdown münden.
Nach einer Ägyptenreise stand natürlich wieder einmal einer meiner Allzeitfavoriten auf dem Programm, John Guillermins Agatha-Christie-AdaptionTod auf dem Nil nämlich. Fast fünfzig Jahre
hat der Klassiker inzwischen auf dem Buckel und funktioniert immer noch als grandioses Lehrstück eines Whodunits. Wo Kenneth Branagh jüngst mit seiner Neuverfilmung ein grässlich hässliches
Machwerk ablieferte, sitzen in der Version aus 1978 jede Geste, jedes kleinste Mienenspiel, jede von Peter Shaffers brillanten Dialogpointen, die Peter Usinov als belgischer Detektiv Hercules
Poirot und an seiner Seite legendäre Stars wie David Niven, Bette Davis, Angela Lansbury, Mia Farrow und Maggie Smith mit merklichem Gusto zelebrieren. Die magische Stimmung und dramatische
Atmosphäre der noch an realen Orten gedrehten Szenen, die herrliche Tangoszene im Old Cataract Hotel, über die ich in meinem Filmbuch Magische Momente schreibe, die ironischen Spitzen von
Ustinovs selbstgefälligem Meisterdetektiv und der anderen Figuren ("This crocodile has lost its croc!") sowie das perfekte Timing des Schnitts (der Anschlag im Karnak-Tempel) - besser geht's
schlicht und einfach nicht.
Chris Hemsworth ähnelt mit verkniffenen Augen und gerunzelter Stirn im Aussehen immer mehr Sean Connery und Mark Ruffalo würde aus jedem Colombo-Gedächtniswettbewerb als Sieger
hervorgehen. Als raffinierter Juwelendieb und der Polizist auf seinen Fersen tragen sie die überaus spannende, intelligent durchdachte und von Regisseur Bart Layton einerseits treibend
inszenierte, aber auch von Coolness getragene Handlung des Thrillers Code 101 bis zum Punkt des Aufeinandertreffens der beiden Charaktere, beide auf der Suche von einer Art von Heimat, die
ihnen vom jeweiligen Lebensumfeld versagt wird. Auch der Rest der Besetzung ist top: Halle Berry als Versicherungsagentin, die des Anrennens an von Männern aufgestellten Barrieren überdrüssig
ist, habe ich schon sehr lang nicht mehr so gut gesehen, Nick Nolte gibt eine Art von Dickens'scher Vaterfigur, der es nicht wirklich am Wohle ihres Ziehsohnes liegt, und in der Figurenkategorie
psychopathischer Killer ist Barry Keoghan ohnehin unschlagbar. Zugute kommt ihnen das ausgefeilte Drehbuch, das den Charakteren Tiefe und Raum für Entwicklung gibt, wie wir es im Spannungsfilm
fast schon nicht mehr gewohnt sind. Mitreißend!
Schüler aus meiner vierten Klasse haben mir den Slasher Clown in a Cornfield als besonders spannend empfohlen und dabei besonders einen Twist genannt, den sie als überaus überraschend
einstuften. Ihre Einschätzung sei ihnen belassen und erscheint mir aus ihrem Blickwinkel sogar nachvollziehbar, doch würden wir in einem weiten, des nachts dunklen und gruseligen Maisfeld nichts
anderes erwarten als blutiges Gemetzel. Ich glaube, dass Stephen Kings Kurzgeschichte Children of the Corn aus dem Jahr 1977 den Anstoß für diese Art der Horrorgeschichten gab, der
Hintergrund der todbringenden Ereignisse darin geht zweifellos auf Shirley Jacksons brillante ErzählungThe Lottery (1948) zurück. Schon die erste Kinoadaption von Kings Stoff ging in die
Hose; daran hat sich hiermit nichts geändert. Halme, höher als ein Mensch, ein unübersichtliches Labyrinth, eine Vogelscheuche, diesmal ein Mörder im Clownkostüm, weil Pennywise & Co. ja
gerade so populär sind, Fluchteversuche, Keuchen, Schreie, im Mondlicht blitzende Messer, Blut und dann plötzliche Stille: nichts Neues im Maisfeld.
Wer den angeblichen Humor von Jack Black und Paul Rudd lustig findet, wird wahrscheinlich auch ihre Actionkomödie Anaconda mehr goutieren können als ich. Ich fand das Remake des
gleichnamigen Tierhorrorfilms aus 1997 einfach grottenschlecht. Zwei Freunde, im Kinogeschäft erfolglos, machen sich in den Amazonas auf, um eine neue Version ihres Lieblingsfilms zu drehen. Da
geht schief, was nur schiefgehen kann, und eine echte Riesenschlange heftet sich an ihre Fersen. Weder Fisch, noch Fleisch, ich meine damit lustig oder spannend, mäandert der Streifen
unausgegoren zwischen witzlosem Buddy-Movie und so gar nicht schockierenden Schockmomenten dahin. Es wird viel herumgebrüllt und alle benehmen sich pubertär und so dumm, wie nur möglich. Schon
das Original war nur für Liebhaber von B-Movies erträglich, hier befinden wir uns noch einen Level darunter.
Jack Dawkins, der gewitzte Taschendieb als Titelfigur (Thomas Brodie-Sangster, der verliebte Bub aus dem Weihnachtsklassiker Tatsächlich Liebe) und Fagin (David Thewlis aka Remus Lupin aus
den Harry Potter-Filmen), der gewifte Gauner, als sein väterlicher Verbündeter: Wie schon in der ersten Staffel bedient sich auch die zweite der jeweils achtteiligen Serie The Artful
Dodger aus dem immmensen Figurenpersonal von Charles Dickes' Roman Oliver Twist, diesmal kommt als Bösewicht auch Uriah Heep aus David Copperfield dazu. Ein Küstenstädtchen wie
aus der Disneyland-Kolonialabteilung, das Herrenhaus des Gouverneurs und seiner strengen Gattin, ein Krankenhaus, in dem der junge Held und seine geliebte Lady Belle operieren und kurieren, dass
es eine reine Freude ist. Historische Kostümabenteuer, unterlegt mit rezenter Popmusik, ist nichts Neues, doch wer Spaß solch naivem Treiben hat, an Intrigen, die nicht allzu intrigant sind, und
einer romantischen Liebe, die auf dramatische Weise erkämpft werden muss, wird sich mit der Serie gut unterhalten fühlen.
Hier wird sich explizit erleichtert, zudem übergibt sich ständig jemand, Blut spritzt reichlich und der Schlamm sieht wirklich dreckig und stinkig aus: Der Game of Thrones-Ableger
A Knight of Seven Kindgoms gibt sich große Mühe, authentischer als sein großes Vorbild zu wirken. Der hochgewachsene und grundehrliche Ser Duncan (sympathisch: Peter Claffey), der ein
richtiger Ritter sein möchte, und sein Knappe, der glatzköpfige Egg (toll: Dexter Sol Ansell) schlagen sich durch eine mittelalterliche Szenerie, wobei die sechs nur etwas mehr als halbstündgen
Folgen mit Bedacht vorgehen - erst in dem brillant inszenierten Turnier auf Leben und Tod in der fünften geht's hart auf hart zu. Nur allmählich, aber nachhaltig zieht uns die filmische Erzählung
in die Geschichte und ihren Bann, vielleicht auch deshalb, weil die Charakterisierung der beiden Hautfiguren tiefer geht und sich die ganze Szenerie echter anfühlt als im Genre üblich.
Ich bin selbst erstaunt, wie gut mir Predator: Badlands gefallen hat. Regisseur Dan Trachtenberg brachte bereits 2022 in Prey neue Ideen ins Franchise, indem er eine junge Frau aus
dem Stamm der Komantschen gegen eines der grausigen Monster antreten ließ. Nun steht erstmals ein Predator namens Dek als Protagonist im Rampenlicht, ein sehr ungewöhnlicher "good guy". Vom arg
bösen Vater und seinem Clan als Schwächling verstoßen, muss Dek auf einem toxischen Planeten gegen ein Ungeheuer antreten, die Trophäe würde seine Stellung in der Familie wieder zurechtbiegen.
Stimmiges Worldbuiling, schöne Bilder, einfallsreiche Kreaturen, ein geradliniger Handlungsverlauf und zackige Kämpfe, dazu eine von Elle Fanning verkörperte Androidin ohne Beine und als
Oberantagonistin die schon aus Alien bekannte Firma Weyland verbreiten Kurzweil, da gibt es nichts zu meckern.
Angesichts von Ari Asters bisherigen Arbeiten, darunter die brillanten Horrorfilme Hereditary und Midsommar, war ich gespannt auf sein neuestes Werk, die schwarze Komödie
Eddington aus dem Vorjahr. Die im Titel genannte Kleinstadt liegt im Nirgendwo New Mexicos, die Handlung spielt zur Coronazeit. Der Sheriff, dargestellt von Joaquin Phoenix, und der
Bürgermeister, verkörpert von Pedro Pascal, liefern sich einen tagtäglichen Kleinkrieg um Maskenpflicht, Abstandhalten und Verschwörungstheorien. Dieser eskaliert und läuft schließlich völlig aus
dem Ruder, als der Sheriff beschließt, selbst für das Bürgermeisteramt zu kandidieren. Aster setzt dieses vorerst harmlose, dann aber immer grausigere Spiel zwischen Lachen und Schrecken,
aufgesetzter lakonischer Coolness und innerer Unsicherheit und stilsicher in Szene, begeht jedoch einen gravierenden Fehler: Der Film ist mit fast zweieinhalb Stunden schlicht und einfach zu
lang. Scharfe Satire muss pointiert abgeschossen werden, um ins Schwarze zu treffen, Aster gibt sich aber zahlreichen Nebenfiguren (Austin Butler als Heilsprediger, Emma Stone als hysterische
Ehefrau des Sheriffs) hin, wodurch sein Kommentar zu einer im wahrsten Sinne des Wortes verrückten Welt, wie wir sie aus Coronazeiten ja alle selbst kennen, letztlich leicht zerfasert. Die
herrliche Klimax und das fiese Finale drücken dann aber wieder genau dorthin, wo's wirklich wehtut.
Katastrophenfilme waren ja eine Zeitlang in Mode, der deutsche Regisseur Roland Emmerich hatte dabei nicht selten die Hand im Spiel. Bei Greenland, während der Coronazeit 2020 im Kino
untergegangen, war dies nicht der Fall, hier stand ein Regisseur namens Ric Roman Waugh am Ruder, und nach Sichtung des Films erscheint uns nachvollziehbar, weshalb ihn keiner kennt. Ein Komet
rast auf die Erde zu, sein Einschlag wird, das ist bald klar, fast alles Leben auslöschen. Gerald Butler als Architekt gibt sich Mühe, seine Familie zu einem Schutzbunker auf der im Titel
genannten Insel zu bringen, was sich als wahrlich schwieriges Unterfangen erweist. Nullachtfünfzehnaction mit einzementierten Rollenklischees, die bekannte Parameter des Genres brav, aber eher
spannungslos abhakt.
Als Faszination der Widerwärtigen möchte ich es bezeichnen, wenn man bei der Pseudodoku Melania, die Jeff Bezos seinem Kumpel Donald Trump spendierte, einfach nicht wegschauen kann. Die
Kamera unter der Regie des Sexisten Brett Ratner begleitet die wohlstandsverwahrloste soganannte First Lady während der drei Wochen vor der Inauguration ihres Mannes zum US-Präsidenten, dabei
stechen der unglaubliche Luxus und die völlige Ignoranz der Lebenswelten von Menschen abseits dieser Privilegien ins Auge. Endlose Diskussionen um den Sitz eines Hutes oder die Tischsets beim
Abendessen: Ich frage mich, ob diese Dame uns bewusst veräppelt oder in ihrem Irrglauben tatsächlich davon überzeugt ist, etwas für ihr Land zu leisten. Vom vielen Kopfschütteln könnte man
wirklich Kopfschmerzen bekommen angesichts solcher Leute.
In den Neunzigern habe ich die jeweils neuen Bände rund um die Gerichtsmedizinerin Kay Scarpetta geradezu verschlungen, in den späteren (es sind mittlerweile fünfundzwanzig auf dem Markt) wurden
die Romane dann immer schwächer. Nun spielt Nicole Kidman in der achtteiligen amazon-Serie Scarpetta die Ärztin mit dem gleichermaßen scharfen Messer wie Verstand. Die Stärke dieser
spannenden Folgen ist die Mischung aus Serienkillerthriller auf der einen und Familienaustellung auf der anderen Seite. Ein Fall von mehr als zwei Jahrzehnten früher wird mit einem heutigen in
Verbindung gebracht, Rosy McEwen spielt die jüngere Scarpetta zu Beginn ihrer Karriere als fast interessantere Figur zur älteren. Die Nichte (Ariana DeBose), die um ihre verstorbene Ehefrau
trauert, die in einer Art Dauerhysterie gefangene Schwester (Jamie Lee Curtis befindet sich schauspieltechnisch noch immer in ihren "manischen" Phase), die Geheimnisse um ihren Ehemann und
FBI-Agenten Benton (The Mentalist Simon Baker ist alt geworden) und die Robustheit ihres Langzeitvertrauen Pete Marino (sehr rollendeckend: Bobby Cannavale) - da kommt schon Einiges
zusammen, von dem wir auch am Ende nicht sicher sind, ob die Relevanz zur Story wirklich gegeben ist. Die explizit gezeigten Autopsien jedenfalls tragen eher wenig zu den Emittlungen bei und
wirken deshalb mitunter we Selbstzweck. Die Auflösung selbst kommt dann allzu rasch, ohne dass ein Mitraten möglich gewesen wäre, aber vielleicht werden wir die wahren Zusammenhänge erst in der
nächsten Staffel erkennen - der finale Cliffhanger lässt jedenfalls vieles offen.
Monkey D. Luffey, der König der Piraten in spe, und sein sympathisch-verrücktes Team auf der Suche nach dem One Piece, dem größten Seeräuberschatz ever - ich hab mich schon sehr auf die
zweite Staffel der Realverfilmung der japanischen Mangareihe gefreut. Der Elan und der Vibe sind auch tatsächlich von Anfang an wieder spürbar, wobei es mir besonders die von Inaki Godoy
dargestellte Hauptfigur mit ihren elastischen Armen und der ultracoole Schwertkämpfer Roronoa Zoro (Mackenyu) angetan haben. Dann aber, in den Folgen zwei bis vier, gibt es ein wahres Überangebot
an neuen (zugegebenermaßen überaus einfallsreich kreierten) Figuren, von denen manche nur für einen Kampf herhalten müssen und dann gleich wieder vergessen sind. Immer wieder: eine neue Insel,
neue Hinterhalte der Mitglieder eines Syndikats von Typen mit diversen Superkräften, das sich Baroque Works nennt, und ein großer Kampf, der in allerletzter Sekunde gewonnen werden kann. Eh
schrill, bunt und flott inszeniert, doch irgendwie war mir das zuviel, ich hätte anstatt der schlecht animierten Dinos lieber vermehrt Hintergründe zu den Hauptfiguren gesehen. Die Folgen fünf
und sechs machen das alles aber wieder wett, hier geht die Geschichte in die Tiefe, wird düsterer und die Bedrohungen wirken realer. Und spätestens ab dem Auftritt von Doktor Tony Tony Chopper,
dem sprechenden Rentier, hatte mich die Sache ohnehin wieder vollends auf ihrer Seite. Natürlich offenes Ende, die Vorfreude auf Staffel drei lebt.
Denkt sich ein heimischer Drehbuchautor, da gibt es doch diesen tollen Film um Helen Mirren und ihren Escort, in dem sie als alte Frau am Ende nackt vor dem Spiegel steht, davon kupfern wir uns
einfach die Grundidee ab, aber damit unser biederes Fernsehpublikum nicht allzu vor den Kopf gestoßen reagiert, besetzen wir die Rolle der Ehefrau, die sich von ihrem Ehemann und Männern im
Allgemeinen nicht mehr gesehen fühlt, mit Adele Neuhauser, die zwar nicht schauspielen kann, trotzdem aber sehr beliebt ist, und der, der im Film "Gigolo" genannt wird (huch!), wird von Manuel
Rubey mit immer wieder unbeholfenen Tanzbewegungen verkörpert, der darin zwar völlig fehlbesetzt wirkt, aber eben auch ein sogenannter Publikumsliebling ist, und weil wir in der PR zwar von
Intimcoaches reden werden, im fertigen Film aber nichts zu sehen ist, das auch nur ansatzweise der Arbeit von solchen bedurft hätte und wir deshalb mit dem vorgeblich skandalösen Teil der
Geschichte nach zehn Minuten (mit Splitscreen, wie modern!) zu Ende sind und wir uns zudem auf gar keinen Fall auf das Thema des Älterwerdens und die tiefergehenden Empfindungen der Charaktere
dazu oder vielleicht sogar deren Entwicklung einlassen wollen (Gott behüte!), stülpen wir der Sache für Adele einfach einen Erpressungsversuch rund um eine traditionsreiche Dirndlmacherfamilie
über und für den Manuel einen bösen Vater und eine arme liebe Mutter, das wird dann im Hauptabendprogramm des ORF gezeigt und alle Zusehenden haben das Gefühl, wui, das war jetzt wirklich mal was
Tabubrechendes, da fühlen wir uns beim Schlafengehen richtig beruhigt, dass unser Leben nicht so aufregend ist, denn ja, der Hochmut des Wunsches nach erfüllter Sexualität ab einem gewissen Alter
kommt vor den Fall, das hat schon seine Richtigkeit so. Ach ja, der Film trägt übrigens den Titel Makellos und ist das Gegenteil davon, nämlich grauenhaft.
Vom ersten Moment ihres Zusammentreffens an drehen sich das gesamte Denken und die Gefühle einer Literaturprofessorin um Vladímír. Dieser ist ein junger Dozent und Autor, von Leo Woodall
mit oft vor Aufregung rotgeflecktem Gesicht und Adonisbody verkörpert. Rachel Reisz geht in ihrer Rolle als Professorin und Schriftstellerin mit Schreibblockade aufs Trefflichste auf. Sie ist in
den besten Jahren, was wir auch gut und gern in der Midlife-Crisis nennen können, fühlt sich dem wachsenden Desinteresse der Studierenden ausgesetzt und mit den Konsequenzen ihrer offenen Ehe
konfrontiert - köstlich John Slattery als ihr Ehemann, dessen Affären mit Studentinnen heutzutage nicht mehr so akzeptiert werden wie in früheren Zeiten. Der Kontakt zu Vladimír weckt in ihr aber
längst verkümmert geglaubte Lebensgeister. Klingt nach einer Romcom im üblichen Rahmen, ist es aber nicht. Die geplagte Rachel durchbricht nämlich gleich von Anfang an die vierte Wand und richtet
sich direkt an uns, und zwar auf solch pointiert-sarkastische Weise, dass man gar nichts anderes mehr kann, als dranzubleiben. Die Diskrepanz zwischen ihren Wünschen und Sehnsüchten auf der einen
Seite, die sie geradewegs auf Vladimír projiziert, und der harschen Realität auf der anderen führt zu immer peinlicheren Situationen, aber auch so manchen tiefergehenden Überlegungen auf der
Suche nach ihrem für sie selbst passenden Lebensweg - und nicht zuletzt zu einem neuen Roman. Der Begriff "Dramedy" trifft hier einmal wirklich aufs Unterhaltsamste den Nagel.
Ich war für Zaubertricks schon immer sehr zu begeistern, selige Zeiten, als der große Showmann David Copperfield in wahren Fernsehereignissen den Orient Express und die Freiheitsstaue
verschwinden ließ und die Chinesische Mauer durchschritt. Heute kennen wir die Tricks, die wunderbare Verblüfftheit ist uns genommen, und trotzdem bereiten mir Filme wie Die Unfassbaren 3
großes Vergnügen. Wobei in diesem Streifen sozusagen ein Treffen der Generationen stattfindet. Zu den ursprünglichen "Horesemen" der ersten beiden Teile stößt der Nachwuchs in Form von drei
jungen Illusionisten. Die Story dreht sich um den größten Diamanten der Welt und krumme Geschäfte, die eine südafrikanische Minenbesitzerin damit treibt. Die erfolgreiche Struktur wird
beibehalten: Zuerst folgen wir staunend dem Geschehen mit großen Augen und fühlen uns durch die Offenbarung der Tricks im Anschluss nicht über den Tisch gezogen. Der Klimax mit seinem punktgenau
gesetzten Twist spielt sich im Louvre in Abu Dhabi ab und lässt uns bestens unterhalten zurück.
Da ich mit Computerspielen so gut wie gar nichts am Hut habe, kann ich auch nicht beurteilen, ob die Verfilmung von Borderlands den Geschmack von echten Fans trifft. Eher nicht, schätze
ich. Die Sache nennt sich Actionkomödie, von letzterer ist kein Quäntchen aufzuspüren. Die Action ihrerseits ist sichtlich CGI-generiert oder basiert auf Masken wie bei einer
Teenie-Faschingsparty, wobei Cate Blanchett als Gesetzlose, die das Chaos auf dem Planeten Pandora ordnen soll, ob ihrer gemeißelten Gesichtszüge gar kein Make-up braucht, um gruselig
außerirdisch zu wirken. Regisseur Eli Roth hat in seiner Karriere schon viel Schrott gedreht, Borderlands gehört zum Schrottigsten darunter.
Reinste Einfallslosigkeit muss es gewesen sein, die zu einem Remake des Horrorklassikers Ich weiß, was du letzten Sommer getan hast aus dem Jahr 1997 geführt hat. Selber Titel,
Produktionsjahr 2025, und schier unglaubliche Dummheit ist im Spiel. Nämlich jene der auswechselbaren Figuren, die aufgrund ihrer Dialoge und des in den meisten Fällen zum Tode führenden
Verhaltens nur als beschränkt bezeichnet werden können. Kein Wunder, dass wir ncht gewillt sind, mit ihnen und um sie zu bangen. Der Mörder im Ölzeug und mit dem Fischerhaken - ohne Atmosphäre,
ohne Spannung, ohne alles. "You can be a star without quality", heißt es schon im Titelsong; was als Warnung vor dem ganzen Film zu verstehen ist.
Mit Ausnahmen gehören romantische Komödien nicht gerade zu meinen Lieblingsfilmen, allzu bieder und vorhersagbar kommen sie meist daher. Im Fall der südkoreanisch-kanadischen Drehbuchautorin und
Regisseurin Celine Song drängt sich eine Sichtung jeder ihrer Arbeiten aber auf, verantwortete sie mit dem Meisterwerk Past Lives doch einen der herzzerreißendsten Liebesfilme ever.
Materialists ist ihre neueste Produktion betitelt, als solche erweist sich die Klientel der von Dakota Johnson verkörperten New Yorker Partnervermittlerin Lucy. Sehr pointiert geht der
Stoff denn (nach einem doofen Höhlenmenscheneinstieg) auch vor, wenn sich die männliche und weibliche Klientel in ihren übersteigerten Vorstellungen bezüglich Selbst- und Fremdbild mit der
Realität konfrontiert sieht. Als sich Lucy aber selbst zwischen dem reichen Investmentbanker Pedro Pascal und dem nicht gerade erfolgreichen Theaterschauspieler und Nebenerwerbskellner Chris
Evans hin- und hergerissen findet, kippt die Sache dann doch ins allzu Seichte. Was ich gar nicht mehr aushalten kann, ist die Prüderie von Bettszenen mit ständig krampfhaft bis zum Hals
hochgezogenen Laken; dass Celine Song zu solchen Mitteln greift, spricht weder für den Film, noch für sie.
Wäre Ryoma Takeuchi, der charismatische Darsteller aus dem tollen Tanzfilm 10 Dance vom Ende des vorigen Jahres, nicht in der Hauptrolle besetzt, hätte ich die japanische Serie Silent
Truth aufgrund ihrer zerredeten Langatmigkeit wohl nach zwei, drei Folgen abgebrochen. Takeuchi spielt darin einen jungen Polizisten, der sich angesichts eines Mordes mit verdrängt geglaubten
Ereignissen aus sener Kindheit konfrontiert sieht. Drei enge Freunde waren sie damals und dazu eine von allen vergötterte Freundin. Nun, dreiundzwanzig Jahre später, wird die Sache brenzlig, weil
der heutige Mord mit der Tatwaffe von früher begangen wurde. Recht bieder plätschern die neun Folgen der Serie trotz einer auf dem Stand steptanzenden und schrecklich outrierenden Detektivin
dahin - die Rückblenden in die Vergangenheit erscheinen uns am Spannendsten. Doch immer, wenn Takeuchi auftritt, gefangen zwischen zwei Frauen und von Emotionen gebeutelt, beginnt der
Fernsehschirm zu leuchten; wie das eben so ist bei denen, die die Kamera wirklich liebt.
Ob der weltweite Hype rund um die sechsteilige Serie Heated Rivalry echt ist oder nur herbeigeschrieben, kann ich nicht beurteilen. Sie erzählt die schwule Liebesgeschichte zwischen dem
kanadischen Eishockeyprofi Shane und seinem russischen Kollegen Ilya, der eine eher scheu, der andere rotzfrech, auf jeden Fall auf sehr clevere und einnehmende Weise. Solche Romanzen sind nichts
Neues, sie basieren auf den in Südostasien immens beliebten "Boys Love"-Serien, die ihrerseits in enger Verwandtschaft mit japanischen Yaoi-Mangas stehen. Abgesehen vom queeren Zielpublikum sind
diese meist von Frauen für heterosexuelle Frauen geschrieben; Analysen, weshalb sie sich dafür sosehr begeistern können, gibt es zuhauf. Als westliche Serie betritt Heated Rivalry, auf den
(sprachlich grottenschlechten) Book-Tok-Bestsellern von Rachel Reid basierend, als dezitiert positive Zeichnung einer schwulen Beziehung aber Neuland. Die Serie steht und fällt mit den beiden
unwiderstehlichen Hauptdarstellern Hundson Williams und Connor Storrie, die knisternde Chemie zwischen den beiden trägt die Handlung weit über üblichen Herzschmerz hinaus und durch Jahre der
vereinzelten Kontakte, die geheimgehalten werden müssen, bis zu dem Mut, die tiefen Gefühle endlich vor einander und ihrer Umwelt einzugestehen. Oftmals wurde schon von den offenherzigen
Sexszenen gesprochen, die erstens so offenherzig gar nicht sind und zudem kein Selbstzweck; ihre Inszenierung spiegelt die emotionale Basis zwischen den beiden jungen Männern, die fast rohe
Annäherung zu Beginn, die zur späteren Zärtlichkeit wird, perfekt wieder. Wie blass und banal die Serie abfällt, sobald die Geschichte dieser beiden Protagonisten nicht den Dreh- und Angelpunkt
bildet, zeigt die dritte Folge, die praktisch ohne sie auskommen muss. Die fünfte ist dann aber sehr stark, was das Entstehen einer tiefen emotionalen Bindung betrifft, wohingegen die finale
sechste nicht nur mit einem misslungenen Sundmix (Hintergrundgeräusche!), sondern zudem ins Rührselig-Beliebige abfällt.
Ich gebe zu, dass ich Guy Ritchies zwei Sherlock Holmes-Filme aus 2009 und 2011 mit Robert Downey Jr. und Jude Law sehr unterhaltsam fand. Die erratische Überinszenierung und die
Schauwerte waren damals etwa ganze Neues und die Pointen treffsicher. Die dreizehn Folgen der BBC-Serie (2010-17) mit Benedict Cumberbatch als Meisterdetektiv und Martin Freeman als seinem
Kompagnon Dr. Watson stellten den Stoff dann auf andere, intellektuell ansprechende Beine. Nun versucht sich Ritchie in einer amazon-Serie und unter dem Titel Young Sherlock an einem
Neustart - ein offenes Ende nach acht Folgen lässt auf mindestens eine zweite Staffel schließen. Der junge Sherlock (der fesche Hero Fiennes Tiffin) also, der sich in Oxford mit dem Studenten
James Moriarty anfreundet, zwei charmante Hallodris, denen man gern bei ihrem Übermut zuschaut. Es geht um Morde an berühmten Professoren und eine kampftechnisch ausgebildete chinesische
Prinzessin, ab etwa der Hälfe der Folgen beginnt sich die Handlung aber in Richtung Holmes'sche Familienaufstellung zu bewegen. Colin Firth und Joseph Fiennes in Nebenrollen, schöne Settings und
Kostüme - der Overkill an Schnittfolgen, rasanter Musik und durchaus witzigen Pointen funktioniert einige Zeit lang ausgezeichnet, wird dann aber bald redundant, die Pointen erscheinen auf einmal
nicht mehr ganz so witzig, eben more and more of the same, das beginnt sich zu ziehen und wird fad - zumal uns Ritchie echte Rätsel zum Mitraten vorenthält.
Ein Kaufhaus als Schnittpunkt auf dem Lebensweg dreier Menschen. Vor den Blicken der Umwelt und deren harschem Urteil wollen sie sich schützen, nur allmählich entwickelt sich zwischen ihnen
Freundschaft und, im Fall von zweien von ihnen, auch Liebe. Sehr leise, fast scheu wie seine liebenswerten Figuren kommt Pavane, der Film des südkoreanischen Regisseurs Lee Jong-pil daher,
um ein Haar fiel er durch mein Suchradar, und doch gelang es ihm, bis zu meinem Herzen vorzudringen. Bezaubernd agieren Ko Ah-seong und Moon Sang-min als ewig zögerliches Liebespaar, denen es so
unendlich schwerfällt, einander die Herzen zu öffnen, und Byn Yo-han als ihr stiller Vermittler. Die Pavane ist ein langsamer Schreittanz aus der Renaissance, in einer solchen Weise umkreisen die
drei Freunde einander - bis am Schluss des Films, als die romantische Komödie zum Drama wird, es den Charakteren das Herz zerreißt und mir zerrissen hat.
Es ist schon erstaunlich, für wie viele misslungene Arbeiten der Thrillerspezialist M. Night Shyalaman, der mit The Sixth Sense einen meiner absoluten Lieblingsfilme geschaffen hat, zu
verantworten hat. Als jüngstes Beispiel kann der Streifen Trap herhalten. Josh Hartnett gibt darin den Vater einer Teenietochter, gemeinsam besuchen sie ein Popkonzert, eine Falle für den
Serienmörder, als der sich Daddy alsbald entpuppt. Eigentlich ist der Film nichts als ein Vorwand, Shyalamans Tochter Saleka als Sängerin zu präsentieren, so macht das Konzert auch die Hälfte des
Streifens aus. Schon hier klaffen immense Logiklöcher, im weiteren Verlauf treiben hohle Twists die Handlung voran. Ich wusste nicht, ob ich mich über diese oder das outrierte Spiel so mancher
Nebendarsteller:innen mehr ärgern sollte.
Nach einer spannenden ersten und einer enttäuschenden zweiten Staffel findet die Thrillerserie The Night Agent eine erfreulich kurzweilige weitere Auflage. Terror, Betrug, illegale
Geldflüsse und Verschwörung rund um den US-Präsidenten sind abermals die Themen, mit denen sich Gabriel Russo alias Spezialagent Peter Sutherland im wahrsten Sinne des Wortes herumschlagen muss.
Der Nachname des Protagonisten verweist auf Kiefer Sutherland, den Darsteller des Jack Bauer in 24, der Mutterserie dieses Genres, die nun auch schon fünfundzwanzig Jahre auf dem Buckel
hat. Im von ihr gesteckten Rahmen laufen Handlung und Action von The Night Agent ab, dem Hauptdsteller nimmt man die Zuschlagqualitäten ebenso ab wie die sensiblen Seiten des Charakters,
jener von manchen Nebenfiguren ist interessant gezeichnet.
Mein jüngst erworbenes HBO max-Abo ermöglicht mir das Nachholen so manch versäumten Filmgutes, jüngst Annabelle 2 aus dem Jahr 2017, eine Horrorarbeit des schwedischen Regisseur David F.
Sandberg. Dass es um die gruselige Puppe aus dem Conjuring-Universum geht, dürfte klar sein, Sandberg verpflanzt die schaurige Mär in die Vierziger und Fünfziger und dort in eine einsam
gelegene Farm, die zu einem Zuhause für Waisenmädchen werden soll. Viele Jump scares, die üblichen flüsternden Schatten, gute junge Darstellerinnen, aber dabei nichts Neues an Horrorelementen,
mit denen der Teufel selbst ein Portal in unsere Welt sucht.
Halten wir uns nur vor Augen, welch herrliche Filmstunden wir dem Regisseur, Produzenten, Drebuchautor, Kameramann und Editor, also dem Universalkönner Steven Soderbergh verdanken, von der
Ocean's-Trilogie bis zuletzt dem stylishen Spionagedrama Black Bag. Im Jahr 2023 schloss er seine Magic-Mike-Reihe mit einem Eintrag mit dem Zusatztitel Der letzte
Tanz ab; dabei handelt es sich aber um keinen Höhepunkt seiner Karriere. Channing Tatum, noch immer topfit, wird in der Romanze von einer gelangweilten superreichen Salma Hayek angeworben, in
London eine Striptanzproduktion auf die Beine zu stellen, dafür ist er natürlich Spezialist. Zwar sind einige der Choreografien recht eindringlich, besonders der Regentanz im Finale; doch meist
dienen sie nur dazu, dass sich einer der beteiligten Muskelmänner das Shirt vom Leibe reißt, ihre tänzerischen Fähigkeiten bleiben meist auf der Strecke. Soderbergh findet für seine Geschichte
teils sehr schöne, dann aber wieder auch sehr beliebige Bilder, Hayeks Filmtochter gibt dazu aus dem Off küchenpschologische Banalitäten über die Bedeutung des Tanzes von sich. Nur prüde Menschen
werden das Ergebnis für erotisch halten, eine Adaption in Romanform würde bei Book Tok wohl begeisterte Anhängerinnen finden.
Die letzten Auftritte von Superman, den ich immer für den langweiligsten aller Comichelden gehalten habe, waren James Gunn, Regisseur der Guardians of the Galaxy-Reihe, wohl zu
düster. Machen wir den neuesten heller und bunter, dachte er sich anscheinend, das erweitert unser Zielpublikum. Aus diesen Ideen ist ein fast unerträglicher Schmarrn entstanden. Nicholas Hoult
als Lex Luthor spielt dabei eine Rolle, die Invasion es Staates Bovaria in sein Nachtbarland, da kann nur noch David Corenswet im blauen Kostüm samt rotem Umhang helfen. Ihm zur Seite steht - und
das ist jetzt kein Scherz - ein Superhündchen, ebenfalls mit Cape, ads für jede Menge danebengehender Scherze sorgt. Genauso kindisch ist der ganze Film. Tragisch, auf welche Weise man im
heutigen Filmgeschäft Millionen von Produktionsdollar verpulvern kann und nichts, abolut nichts, schaut dabei heraus.
Das geringe Budget merkt man dem Spielfilmerstling der norwegischen Regisseurin Emilie Kristine Blichfeldt an manchen Stellen an, dennoch überzeugt The Ugly Stepsister durch seinen
ungewöhnlichen Zugang zur Aschenputtel-Geschichte. Die nicht ganz so hübsche Elvira (Lea Myren) mit ihrer hässlichen Zahnspange, der gekrümmten Nase und Übergewicht kämpft darin mit ihrer
schönen Stiefschwester Agnes (Thea Sofie Loch Naess) um die Gunst eines jungen Prinzen. Dabei ist sie bereit, alles zu erdulden, was es braucht, um sie zur begehrenswertesten Adeligen im Land zu
machen. Das Verschlucken eines Bandwurms, das Brechen der Nase, das Annähen von falschen Wimpern und Selbstverstümmelung der Füße gehören zur Pein, die sie auf sich nimmt. Aus den gängigen
Erwartungen an Frauen und all dem Perfektionswahn um uns herum gestaltet Blichfeldt rabenschwarz-humorigen Body-Horror, der auch in blutig-grauslichen Momenten nicht den Blick abwendet. Das
Mantra "Schönheit ist Schmerz" als makabre Mär, die sich in Stil und Gestaltung merklich an den osteuropäischen Märchenfilmen der Sechziger und Siebziger reibt.
Mit Videospielen und deren Verfilmungen habe ich wenig bis gar nichts am Hut. Als ich in einer Best-of-Liste dieses Genres jüngst den Horrorfilm Silent Hill auf dem ersten Platz vorfand,
machte ich mich gleich an die Sichtung. Der französische Regisseur Christophe Gans adaptierte die Geschichte im Jahr 2006, die zwanzig Jahre schieben sich aber nicht unbedingt negativ im Sinne
von veraltet in das Seherlebnis. Trotzdem ist dieses kein sehr großes. Mama Rose fährt mit ihrer ständig schlafwandelnden Tochter Sharon in die titelgebende Geisterstadt, Papa Christopher macht
sich alsbald auf die Suche nach den beiden. Im Ort fällt Asche vom Himmel und des Nachts erwachen grausige Monster, Küchenschaben mit menschlichen Gesichtern und ein Muskelprotz mit Pyramidenkopf
etwa. Viel Davonlaufen, viel Gekreische und wenig echter Grusel; so etwas wie bedrohliche Atmosphäre oder auch nur ansatzweise Entwicklung der Charakter stellt sich gar nicht ein. Insgesamt fand
ich die Sache recht fad.
Bei The Apprentice handelt es sich eine Filmbiografie von Donald Trump. Abgesehen von der Nachzeichnung seines Wegs nach oben, der von Manipulation, Bestechung, Erpressung und
Menschenverachtung bis hin zu Übervorteilung von Mitglidern der eigenen Familie gepflastert ist, steht seine Beziehung zum Staranwalt Roy Cohen im Mittelpunkt des Geschehens. Berühmt-berüchtigt
wurde Cohn in den Fünfzigern durch seine Zusammenarbeit mit dem Kommunistenjäger Senator McCarthy, wobei er maßgeblich an der Verurteilung zum Tode der Sowjet-Spione Julius und Ethel Rosenberg
beitrug. In der fulminanten Verfilmung des mit dem Pulitzerpreis gerönten Theaterstück Engel in Amerika (1993; Film 2003), wurde er von Al Pacino als ob seiner Homosexualität von
Selbsthass zerfressenem Machtmenschen verkörpert. Ein zweiter ungustiöser Protagonist also, emotionalen Zugang zu ihnen habe ich nicht gefunden. Der Entwurf ihrer Beziehung gibt dem Film aber
seinen Drehmoment und seine Kraft. Anfangs ist Cohn Trumps Mentor, er ebnet ihm den Weg in die Hinterzimmer der Macht, sieht sich nach seiner AIDS-Erkrankung aber der Verachtung des ehemaligen
Freundes ausgesetzt. Der Aufstieg des einen wird durch den Fall des anderen konterkariert, die beiden Darsteller Sebastian Stan und Jeremy Strong geben die Manierismen der realen Vorbilder
wieder, ohne ins Karikaturhafte abzugleiten. Eigentlich traurige Verlierer, die in ihrem unglaublich egomanem Machtrausch so etwas wie die eigene Sterblichkeit nicht wahrhaben wollen.
Der Unterschied wird bei der Sichtung der sechsteiligen US-amerikanischen Miniserie mit dem etwas sperrigen Titel The Undoing sogleich offensichtlich: Da ist auf der einen Seite der in
Würde gealterte Hugh Grant, er mit seinen tiefen Falten nun für Charakterrollen geeignet scheint, die ihm im früheren Sonnyboy-Image verwehrt waren; auf der anderen Nicole Kidmans zum
unbeweglichen Barbiepuppengesicht gebotoxte Züge, die hier für die Rolle der klinischen Psychologin Grace, einer unnahbaren, geheimnisvollen, undurchsichtigen Frau, aber zweifellos passen. Grace
und ihr Mann Jonathan, ein Onkologe, leben gemeinsam mit ihrem zwölfjährigen Sohn Henry (Noah Jupe aus Hamnet bewies schon beim Erscheinen der Serie vor sechs Jahren seine große
Kamerapräsenz) in einem märchenhaft wohlhabenden Umfeld in Manhattan, Donald Sutherland als ihr greiser Vater agiert aus dem Hintergrund. Es ist eine auf den ersten Blick perfekte Familie, und
zwar nicht nur nach außen hin. Diese sieht sich bedroht, als Jonathan eines nachts verschwindet und des Mordes an der Mutter eines kleinen Patienten beschuldigt wird. Oscar-Preisträgerin Susanne
Bier (für In einer besseren Welt, 2011) rollt die Entzauberung der Figuren in dieser Geschichte nicht überhastet auf, sie lässt sich und ihnen Zeit zur Entfaltung der Charaktere und einer
dichten Atmosphäre, die sich alsbald zum superspannenden Psychokrimi entwickelt. Es geht um die Fragen nach Schuld und Unschuld, nach Schein und Wahrheit, der Miträtselfaktor dabei ist hoch in
dieser feinen Serienerzählung.
Der Horrorfilm Longlegs aus dem Jahr 2024 ließ mich recht ratlos zurück. Vielerortens als Höhepunkt des Genres gepriesen, verfehlte mich trotz der zugegebenermaßen unheimlichen Atmosphäre
und des stimmigen Nineties-Look seine vorgebliche Wirkung. Freilich ist Nicholas Cage als titelgebender satanistischer Serienkiller, unerkenntlich unter weißem Makepup und mit irritierend hoher
Stimme, eine tolle Ausgangsidee für einen filmischen Charakter. Doch wir erfahren zu ihm als Bösewicht der Geschichte praktisch keine Hintergründe, was ihn eine ziemlich uninteressante, blasse,
nichtssagende Figur bleiben lässt. Auch zu Maika Monroe als junger FBI-Agentin vermochte ich die längste Zeit keine Beziehung aufzubauen, erst recht spät im Film kriegt sie ein paar Ecken und
Kanten. Die Auflösung wird dann in Form einer Gutenachtgeschichte einfach dahererzählt, nicht sehr einfallsreich.
Austin Butler, der Muskelmann mit dem Bubengesicht, hat schon als Elvis und als bitterböser glatzköpfiger Harkonnen-Sohn in Dune 2 überzeugt, nun trägt seine große Leinwandpräsenz
auch den Kriminalfilm Caught Stealing. Er verkörpert darin den Barkeeper Hank, alkoholabhängig nach einem selbstverschuldeten Autounfall mit Todesfolgen. Als ihn eines Tages sein
Irokesenfrisur-Nachbar Russ bittet, auf seine Katze aufzupassen, sieht er sich alsbald als Spielball zwischen einer russischen und einer jüdischen Mafiafamilie in höchst gefährliche Situationen
geschleudert. Regissseur Darren Aronofsky inszeniert die Sache temporeich und gewürzt mit schwarzen Humor, aber weit entfernt vom Einfallsreichtum von früheren Arbeiten wie Black Swan oder
Reqiem for a Dream. Und wie fit auf seiner Flucht Hank direkt nach der Entfernung einer Niere ist: Hut ab!
Nach dem Bingen der fünfzehn Folgen der ersten Staffel der amerikanischen Serie The Pitt aus dem Vorjahr war ich fast so emotional mitgenommen wie das Ärzteteam, dessen bewundernswerte,
extrem aufreibende Arbeit fast in Echtzeit gezeigt wird. Die Notaufnahme eines Krankenhauses in Pittsburgh, der Alltag, stets am Rande des Kollapses, wird zur dramaturgisch verdichteten
nervenstrapazierenden Sisyphosarufgabe. Eklatanter Personalmangel, Wirtschafts- und Opioidkrise, Post-Corona-Burnout, überaus heikle medizinische Aufgaben und schließlich noch ein Mass Shooting
bei einem nahen Festival - unter immer größerem Zeitdruck sehen sich Chefarzt Noah Wyle (aus Emergency Room) und sein engagiertes Team samt Praktikant:innen und Studierenden bis an die
Grenze des psychisch Ertragbaren getrieben. Dabei bleibt die bewegte Kamera immer bei ihnen und schaut auch nicht weg, wenn es blutig wird. Das Überleben inmitten von Kollaps und Organversagen
eines Systems, auf Atemlosigkeit und Hochspannung getrieben. Ein kurzer Nachtrag zur zweiten Staffel: Diese spielt am Unabhängigkeitstag, Dr. Robby steht vor einem Sabbatical. Noah Wyle ist
großartig: Die Intensität, wie hier ein Mensch in die Depression und ein Burn Out getrieben wird, ist herzzerreißend.
Das größte Problem von Chloé Zhaos historischem Drama Hamnet ist sein erstes Drittel. Dieses plätschert nämlich dermaßen bieder und beliebig dahin, dass ich angesichts mancher geradezu
hymnischen Rezensionen glaubte, im falschen Film zu sein. Da werden William Shakespeare und seine spätere Frau Agnes gezeigt, ihr Kennenlernen und das Aufbegehren gegen den gewalttätigen Vater,
wie nebenbei wird letzterer Konflikt abgehandelt. Agnes wird als Heilerin porträtiert, als Frau mit immensem Beug zur Natur und ihren Kräften, was ziemlich esoterisch daherkommt. Außerdem, seien
wir ehrlich, sind Paul Mescal und Jessie Buckley für ihre Rollen zu diesem Zeitpunkt ihres Lebens schlichtweg zu alt. Später zeichnet der Streifen feinsinnig und liebenswert das Zusammenleben des
Paares mit den drei Kindern Susanna, Judith und Hamnet, ihre gegenseitige Liebe durchströmt den Film und uns beim Zusehen. Allzu kurz wird Williams Drang zu schreiben abgehandelt, der ihn immer
wieder für längere Perioden nach London treibt, die Begründungen für Agnes' Weigerung, ihm zu folgen oder ihn auch nur einmal zu besuchen, bleiben Behauptung. Tief berührend hingegen die Szene
der Krankheit der Kinder und Hamnets Pesttod, Jessie Buckleys Zusammenspiel mit dem tollen dreizehnjährigen Jacobi Jupe treibt uns die Tränen aus dem Herzen. Sie braucht keine großen Gesten, die
Augen, ihr Lächeln und mal auch nur die Fältchen um den Mund genügen ihr, die Emotionen dieser leidenschaftlichen Frau darzustellen. Die Verhärtung ihrem Mann gegenüber, dem sie vorwirft, beim
Tod des Kindes nicht anwesend gewesen zu sein, und ihre schlussendliche Erkenntnis im Theater, dass die Verarbeitung des Erlebten im Stück Hamlet seine ganz persönliche Art ist, mit
Verlust und Trauer umzugehen, lassen uns dann bis zu den letzten Bildern der ungeschnittenen Großaufnahme ihres Gesichts nicht mehr los. So ist Hamnet nicht das erwartete Meisterwerk, doch
ein feines Gefühlsdrama voll grandioser Darstellungskunst.
Immer wieder wird in der zweiten Staffel der japanischen Reality-Datingserie The Boyfriend betont, dass es sich um keine gescriptete Version des Formats handle, sondern die gezeigten
Szenen authentisch seien. Das mag man gern glauben, wenn man bedenkt, wie nachvollziehbar, in den engen Grenzen des Genres geradezu "echt", die Sache rüberkommt. Zwölf junge Männer leben für zwei
Monate und fünfzehn Folgen lang in einem Haus nahe des Akan-Sees in Hokkaido und verdingen sich als Baristas in einem türkisfarbigen Coffee-Truck. Inmitten eines wahren Winterwunderlandes, in den
letzten Folgen auch schon des einsetzenden Kirschblütenfrühlings, sind sie auf der Suche nach Freundschaft, vielleicht sogar Liebe, in erster Linie aber auch nach sich selbst. Dies rollt die
Serie auf völlig unaufgeregte, ruhig-entschleunigte und rundum sympathische Weise auf, der Unterschied zu anderen Datingserien voll Hektik, Hysterie und fiesem Möchtegernhumor ist eklatant und
begründete wohl auch den großen Erfolg der ersten Staffel. Mit viel Einfühlungsvermögen für die rechte Zeit zum Hin- und Wegschauen wurde das gedrehte Material derart ediert, dass sich viele
nette kleine Geschichten ergeben. Zudem erweisen sich die Teilnehmer, jeder auf seine Art, als grundnette, verletzliche und nachdenkliche Charaktere mit hohem Tränenflussfaktor, die von Folge zu
Folge näher kennenzulernen Freude macht. Wenn schon Datingshow, dann bitte so.
In Zeiten des lang andauernden James-Bond-Entzugs stellt sich die Le-Carré-Adaption The Night Manager als feiner Streaming-Ersatz dar. In der (nach zehn Jahren!) zweiten Staffel hat es Tom
Hiddleston als britischer Agent Jonathan Pine erneut mit dem eigentlich todgeglaubten "Dr. House" Hugh Laurie zu tun, die Geschichte dreht sich um Waffenhandel im Sinne eines politischen
Umsturzes in Kolumbien. Hochwertig gemacht, treffend besetzt und durchgehend hochspannend, entpuppen sich die sechs Folgen am Schluss als Übergang zu einer dritten Staffel. Und Hauptdarsteller
Hiddleston, britisch kühl, dann aber auch wieder sehr emotional, empfiehlt sich abermals als perfekte Nachfolge von Daniel Craig.
Schon in Christopher Nolans The Dark Knight aus 2008 präsentierte der Joker ein sogenanntes Trolley-Dilemma: Sprengsätze auf zwei Fähren könnten nur von den Passagieren der jeweils anderen
ausgelöst werden, sollte sich aber niemand für die Aktivierung einer Bombe entscheiden, würden beide in die Luft fliegen. Dieses Gedankenspiel nimmt auch der taiwanesische Thriller 96
Minutes auf, der sich bezüglich der Lauflänge besser an seinen eigenen Titel gehalten hätte, anstatt noch eine halbe Stunde dranzuhängen. Hier sind zwei Hochgeschwindigkeitszüge mit Bomben
bestückt, ein fescher Entschärfungsspezialist ist an Bord des einen. Was rasant beginnt und die Spannung über weite Strecken von Film und Bahnfahrt durchaus zu halten weiß, gerinnt gegen Ende zur
zerdehnten Schluchzbekenntnisorgie.
Die übernatürliche taiwanesische Romantikkrimikomödie Marry My Dead Body erzählte vor vier Jahren die Geschichte einer traditionellen chinesischen Geisterhochzeit, in der ein schwules
Mordopfer durch Zufall mit einem homophoben Polizisten vermählt wird. Die slapstickhaften Elemente im Rahmen der Aufklärung des Falls und des Zusammenraufens der beiden Protagonisten werden in
der thailändischen Adaption The Red Envelope auf die Spitze getrieben, was zu zum Teil wirklich lustigen, andererseits auch arg albernen Momenten führt. Trumpf der Version ist die
Besetzung der Hauptrollen mit Billkin und PP Krit, dem brillanten Paar aus der Serie I Told Sunset about You (2020).
Eine dreitägige Flucht aus der Perspektive von drei Männern: Armut und Jugendkriminalität, Reue und der Versuch, dem Leben eine neue Richtung zu geben, sind die Themen des japanischen Krimis
Baka's Identity, den Regisseur Koto Nagata auf atmosphärisch dichte Weise inszeniert. Die drei Protagonisten verdingen sich für ein Unterweltkartell, indem sie sich online für Mädchen
ausgeben und einsamen Männern ihre Identität zu rauben versuchen. "Baka" bedeutet soviel wie Idiot, der Dumme, der draufzahlt, wenn es Stärkere auf ihn abgesehen haben. In diesem Sinne werden die
drei jungen Männer bald selbst von Tätern zu Opfern. Die verschachtelte, aber nie unklare Erzählweise hält uns mit Hinweisen zu erklärenden Hintergründen bei der Stange. Das Trio der
Hauptfiguren, von Takmi Kamura, Yuta Hayashi und Mizuki Yamashita mit Mut zur Verletzlichkeit verkörpert, hat unser Mitgefühl bis zum Ende des Films, das für sie ein Aufatmen bereithält, bis zu
dem aber jeder von ihnen seinen Zoll zu zahlen hat.
Als sehr erfreulich erweist sich Welcome to Derry, das Serienprequel zu den beiden exzellenten It-Filmen, wieder von Andrés Muschietti gefühl- und effektvoll in Szene gesetzt. Die
achtteilige Serie zeichnet den Zeitverlauf von Pennywises Ankunft auf der Erde bis zu den Vorkommnissen siebenundzwanzig Jahre vor der Handlung der Kinofilme nach und konzentriert sich dabei
hauptsächlich auf die Sechziger. Abermals stellt sich eine Gruppe Jugendlicher dem zähnefletschenden Mordendclown mit dem roten Luftballon in den Weg, Muschietti geht dabei ordentlich blutig zur
Sache. Der Coming-of-Age-Horror ist mit viel Liebe zu zahlreichen Details aus dem Stephen-King-Kosmos inszeniert, nur den das Militär betreffenden Storystrang empfand ich, wie schon bei
Stranger Things, als mühsam. Der engagiert aufspielende jugendliche Cast (mit einigen für ihre Rolle zu alten Mädchen) ist jedoch letztlich nur more of the same, nämlich eine Varation der
ursprünglichen Figuren, die nichts Neues für uns bereithält, ein Umstand, den man in den letzten beiden superspannenden Folgen auch gern vergisst.
Etwaige Bedenken bezüglich der genreimmanenten Sillyness muss man natürlich beiseitelegen, möchte man sich das romantische K-Drama Idol I mit Genuss gönnen. Gelingt dies, ist die
Geschichte um eine Anwältin und großen Fan der K-Pop-Boyband Golden Boys, die die Verteidigung des unter Mordverdacht stehenden Sängers der Gruppe übernimmt, ein sehr nettes "guilty pleasure".
Die wunderschöne Sooyoung und der fesche Kim Jae-young und ihre bedächtige und mit allerlei Stolpersteinen gepflasterte Annäherung in Pastellfarben und viel Zeitlupe, und dann, endlich, ungefärh
in Folge zehn, der erste Kuss. Ich fand's sehr sympathisch.
Dass die Netflixproduktion Train Dreams allseits geradezu hymnisch gelobt und für den Oscar nominiert ist, bedeutet nicht, dass es sich dabei um einen guten Film handelt. Der Stoff ähnelt
Robert Seethalers kurzem Roman Ein ganzes Leben, auch hier wird die Lebensgeschichte eines einfachen Mannes in all seiner menschlichen Einsamkeit, seinen kleinen Sehnsüchten und großen
Enttäuschungen inmitten dem Wandel der Zeiten auf kunstvoll knappe Weise erzählt. Train Dreams basiert auf einer Novelle von Denis Johnson, die in wunderbar poetischer Sprache vom
Holzfäller Robert Grainier im ländlichen Idaho berichtet, "Ästhetik des Schreckens" wird dieser Stil oft genannt. Im Vergleich dazu sackt die Verfilmung, wie bei Ein ganzes Leben, ab. Fast
ununterbrochen hören wir aus dem Off die Vorlesung von Teilen des Buches, dazu sehen wir Bilder aus der Natur und der harten Arbeit und Hauptdarsteller Joel Edgerton starrt mit gefurchter Stirn
ins Leere. Auch im direkten Vergleich von Szenen ist das Buch trotz seiner Kürze detailreicher und emotional mitreißender.
Wenn etwas im rezenten Filmgeschäft verlässlich ist, dann Ben Afflecks hölzernes Spiel. Erstaunlich aber, dass in dem Thriller The Rip auch Matt Damon seine Sache bloß routiniert
und ohne recht bei der Sache zu sein herunterspult. Eine Polizeieinheit auf der Suche nach Drogengeld stößt auf eine Beute im Wert von zwanzig Millionen Dollar und scheint bei deren Anblick
schwach zu werden. Das ist nicht unspannend und eigentlich recht okay, der von vielen Seiten gepriesene Twist hat sich für mich aber gleich von Anfang an angekündigt. Es wird viel herumgeballert
und zuviel geredet, denn die Unart neuerer Filme, Dinge, die sich abspielen, mehrmals auch laut zu beschreiben, bestimmt den Fortgang der Handlung - wohl, um Teile des Publikums, das gleichzeitig
auf einen zweiten Bildschirm starrt, bei der Stange zu halten. Mitdenken war einmal.
Im Vorjahr stieß ich auf die Filmtrilogie Oslo Stories des norwegischen Schriftstellers und Filmemachers Dag Johan Haugerud. Die einzelnen brillanten Arbeiten sind getrennt gestaltete
Geschichten ohne Zusammenhang. In ihrer Einheit jedoch werden sie zum Ereignis: mit dieser Offenheit, Ehrlichkeit und Authentizität wurde im Kino noch selten über Sexualität und die damit
zusammenhängenden Begierden, Sensüchte und Ängste diskutiert. Im nun gesichteten ersten Teil aus dem Jahr 2024, der den Zusatztitel Liebe trägt, arrangiert Haugerund seine Figuren und
deren Hintergründe rund um eine Fähre, die zwischen Oslo und einer vorgelagerten Insel verkehrt. Dort treffen zufällig die Urologin Marianne (Andrea Braein Hovig) und der Krankenpfleger Tor (Tayo
Cittadella Jacobsen), die eigentlich Tag für Tag miteinander arbeiten, aber wenig voneinander wissen, zusammen. Tor verbringt öfters Nächte auf dieser Fähre, um schnellen Sex zu finden, seine
Erzählung weist Marianne auf Überlegungen rund um ihre eigene Intimität. Die Träume von Liebe und Sex, das Hinterfragen von Identitäten und Gewohnheiten - der Regisseur rollt seine Themen in Form
von spontan und zuweilen wie improvisiert wirkenden Dialogen auf. Die Unsicherheit von Marianne, die noch nie eine längere Beziehung hatte, und Tors fürsorgliches Mitgefühl für einen Patienten
nach einer Prostataoperation - in unaufdringlichen Szenen wie diesen findet Haugerud kleine Momente von Alltagspoesie.
So unglaublich es erscheint, orientiert sich das packende Drama Last Breath, das ihm Vorjahr trotz seiner Qualitäten in der Wahrnehmung des Publikums eher unterging, an wahren
Begebenheiten. Drehbuchautor und Regisseur Alex Parkinson schildert die aufregende Geschichte eines Spezial-Taucherteams, das in der Nordsee im Rahmen eines Sättigungstauchgangs mit der Reparatur
einer Untersee-Pipeline auf dem Meeresboden beschäftigt ist, als in einem Sturm das Computersystem des Schiffes ausfällt. Einer der drei wird in die Dunkelheit der Tiefsee gerissen, die anderen
beiden versuchen seine Rettung von der Taucherglocke aus. Dass ihnen dabei die Zeit davonläuft, liegt in der Natur des dramaturgischen Aufbaus ebenso wie den realen Abläufen, und Regisseur
Parkinson weiß die wenigen Minuten, die noch Sauerstoff vorhanden sind, aufs Höchstspannendste darzustellen. Voll faszinierender Details, entführt uns der Streifen in eine für die meisten von uns
wohl unbekannte Welt.
Die Netflix-Serie Physical Asia brachte zahlreiche asiatische Athlethen zu einer spannenden Challenge zusammen, in der vierteiligen Nachfolgeserie Psysical: Welcome to Mongolia
begeben sich zwei symathische Teilnehmer aus Südkorea auf Besuch zu ihren mongolischen Freunden. Kurzweilig gestaltet, schön gefilmt. Hat man, wie ich, eigene Erinnerungen an eine Reise in die
faszinierende Mongolei, lassen sich nette Vergleiche herstellen.
Die drei jüngsten Kinoadaptionen von Stoffen der Krimikönigig Agatha Christie, verbrochen von Kenneth Branagh, blieben uns ja in erster Linie als grauenhaft hässliche Filme in Erinnerung, sie
konnten den Klassikern mit Peter Ustinov, Albert Finney, Margaret Rutherford und Angela Lansbury nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen. Deshalb freute ich mich schon sehr auf den
Netflix-Dreiteiler Seven Dials als erhoffterweise im besten Sinne des Wortes altmodischem Spürnasenmaterial. Doch weit gefehlt! Hier bekommen wir nichts als übelste Langeweile vorgesetzt,
auf nervtötend biedere Weise gestaltet, durch gestelzte Dialoge transportiert und mit der pausbäckigen Mia McKenna-Bruce als junger und nie glaubwürdiger Detektivin auf der Spur des Mörders ihres
Verlobten aufs Uninteressanteste fehlbesetzt. Alles, was eine stimmige Christie-Verfilmung ausmacht, nämlich Atmosphäre, Charme, Witz und Esprit, fehlt dieser filmgewordenen Ödnis.
Zu Beginn haben sich zwei Hunde im wahrsten Sinne des Wortes zum Fressen gern und wir sind schon mitten drin im feinen Body-Horror des australischen FilmsTogether. Ein Pärchen stürzt bei
einem Unwetter in eine Waldhöhle und trinkt aus dem unterirdischen Wasserloch, und schon können wir beobachten, wie die beiden, die seit längerer Zeit eher nebeneinander herleben und auch nicht
mehr miteinander geschlafen haben, mehr und mehr Gier aufeinander entwickeln, ja, ohne einander nicht mehr sein können. Miz viel Sinn für unheimliche Atmosphäre entwickelt Regisseur Michael
Shanks zusammen mit Alison Brie und Dave Franco als Hauptcast den Wandel dieser beiden Charaktere im Wunsch nach persönlicher Freiheit und der plötzlichen Sehnsucht nach unbedingter Nähe. Aus
zwei Menschen werden einer, und wir sprechen hier nicht von Methaphorischem: clever und spannend.
Und am Schluss sind uns doch noch ein paar Tränen gekommen. Das Finale der Mysteryserie Stranger Things nimmt sich erfreulich viel Zeit, um den weiteren Lebensweg der Hauptfiguren nach
ihrem Sieg über das böse Monster Vecna, eine Riesenspinne und einen die Erde zu verschlingen drohenden Planeten anzustoßen. Diese Szenen des Abschieds gehen jenen von uns zu Herzen, die die
Geschehnisse in der kleinen Stadt Hawkins und einer Gegenwelt seit dem Beginn im Jahre 2016 mitverfolgt haben. War die erste Staffel ein brillantes Coming-of-Age-Kleinod mit frischen
Darsteller:innen und in herrlichem Eighties-Look, zeigen sich in der jüngsten fünften die Probleme der Serie überdeutlich. Die Kinderdarsteller sind inzwischen natürlich erwachsen, manche von
ihnen wirken wie Mitdreißiger, und die Story wäre längst auserzählt, würde sie nicht mit aller Gewalt zerdehnt werden. Da wird selbst in den gefährlichsten Situationen - und auch in den weniger
gefährlichen und zuweilen recht langatmigen Szenen dazwischen - schier endlos geredet, ohne dabei inhaltlich Interessantes oder Tiefe zu finden. Die Kulissen sind oftmals - seltsam bei diesem
Budget - als solche überdeutlich erkenntlich und Winona Ryder wird in ihrem Leben nicht mehr eine gute Schauspielerin. Selbst die Actionszenen erscheinen uns mittlerweile als ziemlich redundant,
da kommt nichts Neues mehr, und der Endkampf ist allzu schnell wieder vorbei und das Monster mit einer Leichtigkeit besieht, dass wir uns fragen, wieso das nicht bereits zwei Staffeln früher
gelungen ist. Die wesentlichen der vieleicht zu zahlreichen sind Charaktere uns ja wirklich ans Herz gewachsen, der Abschied von ihnen fällt dann auch dementsprechend rührend aus. Aber wir kennen
das: Wieder einmal hat der erstaunliche Erfolg einer Serie nicht gut getan; eine knackige Trilogie steht mir vor Augen, ich hätte sie lieber gesehen als diesen künstlich in die Länge gezogenen
Streamingkontent.
Solide Spannung bietet der Thriller The Negotiator des Regisseurs David Mackenzie aus dem Vorjahr. Rhiz Ahmes, ein britischer Schauspieler mit pakistanischen Wurzeln, verkörpert mit
Zurückhaltung einen Vermittler von Bestechungsgeldern und Dokumenten zwischen Whistleblowern und Unternehmen; zuweilen lässt er nur seine Augen sprechen. Interessant ist die Geschichte, wenn wir
die penible Planung und Durchführung solcher "Geschäfte" verfolgen dürfen, zudem verschließt sie sich auch nicht den damit verbundenen Fragen von Schuld und Moral. Zur Klimax hin hält der Film
sogar einen Twist parat, den ich so nicht kommen sah. Das Ende ist dann vorhersehbar und happy, und somit eher enttäuschend.
Ian McKellen könnte uns ja ein Telefonbuch oder, falls nicht mehr vorhanden, die Gebrauchsanleitung einer Waschmaschine vorlesen, und wir würden dieser einmaligen Stimme wohl fasziniert zuhören.
Insofern hält uns auch das britische Drama The Critic aus dem Jahr 2023 bei der Stange, in dem der Gandalf-Darsteller einen doyenhaften Theaterkritiker im London der 1930er-Jahre
verkörpert. Vom Verlust der Macht, über Erfolg oder Misserfolg von Stücken und Schauspieler:innen zu entscheiden, und der Kündigung bedroht, ersinnt er einen Erpressungsplan, der aber allzu bald
aus dem Ruder gerät. Drehbuch und Inszenierung sind dabei McKellens größte Kontrahenten: allzu brav und bieder, ohne die nötige Schärfe der Pointen, ohne Sarkasmus, der tatsächlich wehtut, bewegt
sich alles an der Oberfläche der Geschichte um Ehrgeiz und verletzten Stolz; nur wenn in einzelnen Momenten die Wunden und Sehnsüchte der Figuren durchscheinen, erkennen wir, welches Potential
darin gelegen wäre.